Dr. Thomas Szekeres

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Österreich – Deutschland. Die Zweite.

Recht auf freie Berufsausübung?
BVerfG entscheidet über Mediziner.

Ist der Numerus Clausus und sind Zugangsreglementierungen für das Medizinstudium verfassungskonform? Dieser Frage geht der Bundesverfassungsgerichtshof in Deutschland nach. Ein interessanter Aspekt auch für Österreich. Nach wie vor bewerben sich mehr als zehnmal so viele Studenten – es mag einige Doppel- und Dreifachmeldungen geben – für die Aufnahme zum Medizinstudium.

 

In Österreich ist für Einheimische ein fixes Kontingent vorgesehen: mittlerweile auch von der EU endgültig bestätigt.

Dennoch: Offensichtlich ist Medizin und ist der Arztberuf für viele Menschen so herausfordernd, dass sie Aufnahmetests, mehrere Anläufe und Wartezeiten sowie auch Studien im Ausland in Kauf nehmen, um den Traumberuf zu studieren.

Eine Frage wird dabei immer umstritten sein. Sind Studierende mit guten Testergebnissen, höherer Intelligenz und hohen erworbenem Wissen auch die besseren Ärzte? Wie kann man Faktoren wie Empathie, soziale Kompetenz, Interesse am Nächsten und humanistisches Grundverständnis messen?
Und ist das Studium selbst geeignet, um derartige Fähigkeiten auszubilden, zu schulen, zu fördern? Stimmen die Ausbildungsstrukturen?
Heißt Medizinstudium gleich Berufsentscheidung für den Arzt? Brauchen wir nicht noch mehr Forscher, Absolventen, die in die Industrie gehen oder einen anderen Beruf, in dem medizinisches Wissen gefragt ist?
Warum gibt es kaum Doppelstudien: Sozialwissenschaften und Medizin, Physik oder Technik und Medizin können zueinander hervorragende Synergien bilden.

Soll man die Ausbildung zum Arzt früher abkoppeln und stärkeren Schwerpunkt auf allgemeinmedizinische Ausbildung legen?

Soll man, wie vieler Orts verlangt, ein „Medizin-Light-Studium“ für Ärzte forcieren, gerade für diejenigen, die hohe soziale Kompetenz haben und leidenschaftlich für den Arztberuf brennen, helfen wollen, die Nähe zu den Menschen suchen?

Ist es angesichts der zunehmenden Automatisierung und des Voranschreitens der Artificial Intelligence und der Big Data nicht dringlich an der Zeit, das konventionelle Studium und die konventionelle Arbeitsteilung neu zu denken?

Wäre es nicht sinnhaft, speziell in der Altersgesellschaft, Fächer wie Geriatrie und Gerontologie zu forcieren und autonomisieren? Dasselbe gilt für Schmerzforschung und -therapie.

Eines ist klar: Mit konventionellen Mitteln werden wir weder den Ärztemangel beseitigen noch jene Rehumanisierung der Medizin erreichen, von der wir reden.

Jenseits der Tagesprobleme wäre es angeraten, sich auch über derartige Herausforderungen und „Changes“ den Kopf zu zerbrechen.

ao. Univ.-Prof. Dr. Thomas Szekeres
Präsident der Ärztekammer für Wien

Die weibliche Form ist der männlichen Form in diesem Blog gleichgestellt; lediglich aus Gründen der Leseverständlichkeit wurde die männliche Form gewählt.

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