Dr. Thomas Szekeres

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Ärzte gegen Transhumanismus

Ärzte sind nicht dazu da, Leben endlos zu verlängern, Unsterblichkeit anzustreben und Reparaturen an Menschen vorzunehmen, die ihr ästhetisches Erscheinungsbild den Moden anpassen. Ärzte sind keine Vertreter des Transhumanismus und des Jungbrunnendenkens.

 

Gerade das aber will eine zunehmend ichorientierte Gesellschaft. Heilen heißt reparieren, herrichten, Medikamente einflößen – und alles ist gut.
Wir müssen uns gegen diesen neuen Mainstream wehren und aufklären. Das betrifft die Selbstverbesserungs- und Optimierungsapps und -Mythen, ebenso wie den Anspruch gewisser Techniker, Medizin möge sich dem technischen Fortschritt unterordnen.

Es ist wichtig, immer wieder darauf hinzuweisen, dass Ärzte Humanmediziner sind. Dass ihre Hauptaufgabe darin besteht, den Menschen als Ganzes zu begreifen und ihn gesund zu erhalten, so gut es geht.

Das ist keine Absage an die spezialisierte, datengesteuerte und technische Medizin. Sie ist ebenso notwendig, wie die rasche Intervention. Aber nicht ausschließlich.

Wir sollten davon ausgehen, dass 90% der Menschen grundsätzlich gesund sind und bisweilen erkranken oder sich verletzen. Wir sollen auch zwischen körperlicher Verletzung und Krankheit unterscheiden.

Wer verletzt und vorübergehend in seiner Mobilität eingeschränkt ist, weil er sich ein Bein gebrochen hat, eine Hüfte implantiert bekommt oder einen Zahn hat ziehen lassen – ist nicht krank.

Derzeit herrscht die Tendenz, alles miteinander zu vermischen und dem Arzt eine Rolle zu verordnen, die er nicht erfüllen kann und will. Der Arzt ist nicht Dienstleister, der zu funktionieren und zu reparieren hat.

Und derzeit herrscht die Tendenz zu einer weiteren Entmündigung des Patienten. Die Medizin wird’s schon richten. Mitnichten.

Heilung und Genesung erfolgen nur in der konstruktiven Zusammenarbeit zwischen Arzt und Patient. Worauf der Patient allerdings sein Recht haben sollte, sind kostenlose (oder niedrigschwellige) Angebote zum Gesundwerden. Rehabilitationszentren, mobile und soziale Pflegedienste, Begleitung während des gesunden Lebens (es ist strukturell widersinnig, dass die Krankenkasse erst dann zahlt, wenn man krankgeschrieben ist, während für freiwillige Vorsorge kaum etwas geleistet wird.

Und vor allem Präventionsangebote und -anreize. Das beginnt bei der Gesundheits- und Mobilitätserziehung in der Schule, bei verpflichtenden Gesundenuntersuchungen für alle, Gesundheitsförderung am Arbeitsplatz und endet bei entsprechender Pflege im Alter.

Wenn man sich als Arzt den zum Teil abstrusen Forderungen einer selbstverwirklichungs- und wellnessfetischisierten Gesellschaft ausliefern muss, hat man verloren.

Dagegen müssen wir und genauso wehren, wie gegen eine Politik, die zwar ständig von der Notwendigkeit einer gerechten Versorgung spricht, aber dann nicht bereit ist die Konsequenzen zu tragen: Bessere Rahmenbedingungen und mehr Geld!

ao. Univ.-Prof. Dr. Thomas Szekeres
Präsident der Ärztekammer für Wien
Präsident der Österreichischen Ärztekammer

Die weibliche Form ist der männlichen Form in diesem Blog gleichgestellt; lediglich aus Gründen der Leseverständlichkeit wurde die männliche Form gewählt.

 

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