Dr. Thomas Szekeres

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Ende der deutschen Studentenschwemme in Österreich?

Numerus Clausus in Deutschland teilweise nicht verfassungskonform

Eine Eilmeldung schreckt die Unis und Studierenden auf: Der Numerus Clausus für medizinische Universitäten ist verfassungswidrig – in großen Teilen. Was bedeutet das für Österreich?

 

Zunächst einmal können Studierende in Deutschland nicht aufgrund ihres Abiturzeugnisses abgewiesen werden. Der Andrang wird dadurch größer werden – schon jetzt gibt es zu viele Interessenten. Wie in Österreich auch. Hochschulen könnten die fünffache Anzahl aufnehmen, wenn es keine Aufnahmetests gäbe.

Werden deshalb weniger Deutsche in Österreich studieren wollen? Wahrscheinlich nicht, denn die Ausbildungsqualität – und die weichen Faktoren –- sind hier eher besser als in Deutschland.

Wird sich die Quote ändern müssen? Auch das bleibt abzuwarten.

Wird so der Ärztemangel eher behoben?

Wahrscheinlich nicht, denn die Meisten ziehen aus Österreich ab, weil Ärzte woanders mehr verdienen, rascher Fachärzte werden und zum Teil angenehmere Arbeitszeiten haben.

Es ist ein Irrglaube, dass Studierende in dem Land bleiben, in dem sie studiert haben. Es kommt auf die Attraktivität von Jobs an. Und die ist in Österreich nach wie vor schlechter als in der Schweiz, Deutschland oder Großbritannien.

Nach wie vor herrscht zwischen langjährigem Studieren, Erwartungen der Absolventen und beruflichen Karrierechancen eine gewaltige Lücke.

Herausforderung für das Gesundheitssystem wird sein, für Ärzte attraktive und dem Work Life Balance verpflichtete Arbeitsbedingungen zu schaffen und vor allem die Ausbildung an den Spitälern deutlich zu verbessern. Denn hier herrscht – seit Jahren, wie Untersuchungen zeigen – extremer Nachholbedarf. Und der Politik sei angeraten den Ärzten etwas mehr Wertschätzung als bisher entgegenzubringen. Mit Bashing kommen wir alle nicht weiter.

Zum Zweiten muss man in längeren Zeiträumen denken. Die jungen Menschen die heuer zu studieren beginnen, werden in zehn, oft zwölf Jahren ausgebildete Ärzte sein.

Bis dahin wird sich der Mangel aber extrem verschärft haben.

Diese Crux gilt es zu lösen. Zu verhindern, dass Absolventen ins Ausland gehen, bessere Arbeitsbedingungen schaffen sowohl im niedergelassenen wie im ambulanten Bereich.

Allein die Tatsache, dass die neue Regierung vorhat, dass Ärzte Ärzte anstellen können, dass dem Hausarzt absolute Prioritäten eingeräumt werden, dass es einen einheitlichen Leistungskatalog österreichweit geben wird und dass sichtbare Schritte zur Entlastung der Ambulanzen und besseren Patientenstromsteuerung geplant sind, lässt Hoffnung aufkommen.

Aber: Es muss auch umgesetzt werden.

Und zwar zeitnahe. Sonst droht ein nachhaltiger Versorgungsengpass.


ao. Univ.-Prof. Dr. Thomas Szekeres
Präsident der Ärztekammer für Wien
Präsident der Österreichischen Ärztekammer

Die weibliche Form ist der männlichen Form in diesem Blog gleichgestellt; lediglich aus Gründen der Leseverständlichkeit wurde die männliche Form gewählt.

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