Dr. Thomas Szekeres

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Achtung vor Dr. Google und Miss Apple Health

Täglich werden hunderte neue Gesundheitsapps auf den Markt gebracht: Wie viele davon hilfreich und seriös sind, lässt sich schwer abschätzen. Google investiert in Health-Services und Sprachsteuerung. Amazon möchte in den Apotheken- und Medikamentenmarkt einsteigen. Apple hat seine Health App – mit Herz – fix voreingestellt.

 

Mit Alexa kann man sich Gesundheitstipps frei Haus holen, Apples Health-App generiert hohen Zuspruch. Immer mehr Konsumenten sind offensichtlich bereit, ihre Gesundheitsdaten freiwillig herzugeben und lassen sich online über Kreislauf, Blutdruck, Puls, etc. informieren.

Fitnessarmbänder – allesamt Datensammler – boomen, die Selbstvermessungsorgien erreichen ungeahntes Ausmaß. Selbst hochrangige Manager messen einander daran, wer mehr Marathons gelaufen ist und die besseren Fitness-Daten hat.

Und immer mehr Patienten kommen mit ausgedruckten Google-Diagnosen zum Arzt und fordern ihn auf, sie so zu behandeln, wie es Dr. Google will.

Daten über Daten, höchst individuelle, werden mit anderen Daten verknüpft. Einkaufsverhalten, Freizeitgewohnheiten, Alkoholkonsum, aber auch Einkommensverhältnisse, Zahl der Apotheken- und Drogeriebesuche,etc.

So ergeben sich präzise Persönlichkeitsbilder, die immer wieder aktualisiert werden. Diese Daten sind kostbar: zum Beispiel für Versicherungen, die teilweise bereits mit Prämienbegünstigungen werben, für Jobberater und Personalassistenten, die heute zu neunzig Prozent bereits auf internetrecherchierte Daten zurückgreifen, wenn sie Vorstellungsgespräche führen oder im Vorfeld Kandidaten bereits ausgesiebt haben.

Der Gesundheitsmarkt ist der am kontinuierlichst wachsende. Und einer, der hohe Margen abwirft. Zumindest für die Dataaggregatoren.

Wer verhaltensauffällig ist, muss sich in Zukunft darauf einstellen, dass er Mittelungen von seiner Versicherung bekommt, wonach aus Risikogründen die Prämien erhöht oder Leistungen gestrichen werden müssen.

Ärzte geraten in Kompetenz- und Beratungskonflikte, wenn Patienten mit quasi fertigen Online-Rezepturen kommen.

Die Nutzung der smarten Tools und Conveniences könnte enorme Erleichterungen bringen: in der E-Medizin, in der Vorsorge und laufenden Begleitung eines Patienten bei einer Therapie. Wenn seriöse Kriterien zur Anwendung kämen und Ärzte selbst evidenzbasierte Informationen über die „Health-Apps“ hätten.

Angesichts der Facebook-Fake-News-Wellen und Shitstorms, der Echokammern und der rechtsbeugenden Erfahrungen die man mit Social Media macht, und angesichts der Monopolisierungsbestrebungen von Google und Co. müsste es dringlich gesetzliche Grundlagen geben. Gerade in Bezug auf Gesundheitsdaten und deren Anonymisierung.

Denn: Ohne Daten kann auch keine qualifizierte Forschung stattfinden.

Gegen Datenmoloche kann nur systematisch und seitens des Staates vorgegangen werden. Und dagegen sieht das sündteure ELGA wie ein Zwerg aus: technisch veraltet, bedingt sicher, kompliziert im Handling für den Arzt und vertrauensverlierend bei den Patienten.

Wer Apple nichts melden will, muss es nicht tun, wer ELGA nicht will, muss sich kompliziert abmelden. Das ist der Unterschied. Und deshalb boomen die kommerziellen Apps auch.

ao. Univ.-Prof. Dr. Thomas Szekeres
Präsident der Ärztekammer für Wien
Präsident der Österreichischen Ärztekammer

Die weibliche Form ist der männlichen Form in diesem Blog gleichgestellt; lediglich aus Gründen der Leseverständlichkeit wurde die männliche Form gewählt.

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