Dr. Thomas Szekeres

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Die OECD ist nicht alles

Zahlen täuschen – die Situation aber ist kritisch.

Man darf nicht alle Statistiken der EU und OECD ernstnehmen. Es stimmt, dass Österreich mehr als viele andere Länder in Gesundheit investiert. Es stimmt auch, dass wir zu wenig auf Prävention wertlegen und es stimmt, dass das effektiver werden sollte – aber nicht effizienter. Ich warne vor Effizienz. An deren Ende steht das Ende des Sozialstaates.

 

Was die OECD falsch darstellt: Sie zählt Ärzte falsch, da sie Ärzte in Ausbildung mitberücksichtigt, was in anderen Ländern nicht der Fall ist. Das verzerrt. Es stimmt auch nicht, dass wir eine ungesündere Alterslebensgesundheit hätten. Wir haben nur bessere Behandlungsmethoden und ein ungemein ausgebautes Vesorungssystem. Deswgen haben wir auch mehr Kranken- und Ambulanzfälle.

Wo man – wie in Rumänien, Bulgarien Griechenland oder anderen Ländern – sich dreimal überlegen muss zum Arzt zu gehen, fallen natürlich weniger Krankheitsfälle an. Behandlungen sind zu teuer – und das ist lediglich für die Statistik gut. Für die Menschen nicht.

Dass in Österreich vieles besser gestaltet werden könnte, dass durch zu viele Zahlungsströme viele Gelder ausgegeben werden die man einsparen könnte, ist klar.

Aber wo leben wir? In einem Staat, der wesentlich reicher ist als die meisten anderen OECD-Länder. In einem Staat, der von seinem Prinzip des Wohlfahrtsstaates enorm profitiert hat: hohe soziale Sicherheit, geringe Schere zwischen sehr reich und sehr arm und Gesundheitsleistungen die anderswo nicht mehr erbracht werden.
Wer in Großbritannien über 70 ist und eine Hüfte braucht, kann sich nur vertrösten lassen. Auf Jahre. Bis dahin, da er sie nicht mehr braucht – die Hüfte.

Wer in Österreich mit 80 eine neue Hüfte braucht, bekommt sie. Zugegeben: Man muss warten. Aber die Hüfte ist kostenlos – aus der Sicht des Patienten.

Und zum Dritten: In der Technik sind Redundanzen quasi notwendig. Keiner stellt in Frage, dass es neben der normalen Stromversorgung einen Notgenerator geben muss. Grundsätzlich aber bräuchte man ihn nicht. Er koset Geld, für den Notfall.

In der Medizin sind Redundanzen notwendig und ethisch sinnhaft: Jede zweite Meinung, jede zweite Untersuchung zum gleichen Fall kostet Geld. Entweder wir wollen die zweite Meinung und damit eine Qualitätssicherung oder nicht.

Ein effizientes Gesundheitssystem bräuchte das nicht, ein effektives aber sehr wohl.

Bleiben wir bei den Fakten. Und die heißen: Leisten wir uns ein – möglichweise zu teures – Gesundheitssystem oder nicht. Wenn ja, dann sind Rationierungen und Rationalisierungen kein Thema, sondern Bestandteil eines gerechten Systems und einer Umverteilung, die zwar ineffizient sein kann, aber letztendlich Ausgleich schafft.

Wollen wir Fronten oder Menschenwürde?

Übrigens ist die Lebenserwartung in Österreich höher als z.B. in Deutschland, obwohl Deutschland mit über 11% vom BIP mehr für Gesundheit ausgibt als Österreich (10,3%).

Wieso wollen wir uns mit armen osteuropäischen Ländern vergleichen und unser System nach unten nivellieren, anstatt stolz darauf zu sein in einem reichen Land zu leben, das sich ein gutes Gesundheitssystem auf höchstem Niveau leisten kann.

Darum geht es.

Da sollte man auch einkalkulieren.

In diesem Sinne: Zu viele Ausgaben sind immer noch weniger wichtig, als zu wenig Gesundheitsversorgung.

ao. Univ.-Prof. Dr. Thomas Szekeres
Präsident der Ärztekammer für Wien
Präsident der Österreichischen Ärztekammer

Die weibliche Form ist der männlichen Form in diesem Blog gleichgestellt; lediglich aus Gründen der Leseverständlichkeit wurde die männliche Form gewählt.

 

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