Dr. Thomas Szekeres

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Mehr Kammer, neuer Staat?

Die Ärztekammer ist mit vielen hoheitlichen Aufgaben betraut, die eigentlich Sache des Staates sind. Das hat Gründe: Die Kammer macht es besser, effizienter und wohl auch kostengünstiger. Zudem sind Objektivität und Autonomie gesichert: von der Führung der Ärztelisten bis hin zu anderen relevanten Kontrollfunktionen und Qualitätssicherheitsmaßnahmen. 

Damit dies weiterhin geschehen kann, braucht es eine unabhängige, autonome Kammer –weisungsungebunden und in Selbstverwaltung. Doch das ist nur ein wesentliches Argument.

Mittelfristige Strategie der EU-Behörden ist offensichtlich, die Selbstverwaltung der Freien Berufe abzuschaffen: mit dem fragwürdigen Argument der Wettbewerbs- und Niederlassungsfreiheit. Mehrere Versuche – zum Beispiel bei den Apotheken – sind gescheitert. Doch man gibt nicht auf. Dazu gilt festzuhalten: Ein Arzt ist kein medizinischer Dienstnehmer, der das tut, was Vorgesetzte oder Obrigkeiten ihm befehlen – zumindest in seinem ärztlichen Kernbereich.

Ein Arzt muss ohne Rücksicht auf Dienstanweisungen entscheiden können, welche Therapie, welche Intervention und welche Medikation er vorschlägt. Er kann sich beraten: mit Kollegen, mit anderen medizinischen Fachleuten. Aber er darf und wird sich nie einem effizienz-ökonomischen Diktat unterwerfen. Das wäre das Ende der freien, sozial gerechten Medizin. Und jeglichen Gesundheitssystems, das auf Umverteilung beruht. Gesundheit und Wohlbefinden des Patienten sind an erster Stelle unverrückbar.

Nahezu alle Ärzte haben sich freiwillig für ihren Beruf entschieden - nicht aus ökonomischen Gründen. Sonst würden sich nicht jährlich so viele – im steigenden Ausmaß – um ein Medizinstudium bewerben.

Die Studien- und Ausbildungszeit ist länger als in den meisten vergleichbaren akademischen Studien. Studienplan und Ausbildungsrichtlinien werden im Wesentlichen von der Kammer festgelegt, ebenso wie Prüfungsmechanismen. Die Approbation des Arztes in andere Hände zu geben, würde zu einer willkürlichen Aufweichung führen. Das ist ein Widerspruch zu Verantwortungsethik und Qualitätssicherung.

Eine Kammer lediglich auf ihre Serviceleistungen zu reduzieren, heißt, dass man bewusst an dem Kern vorübergeht. Oder ihn ignoriert.

Und noch etwas. Ärztekammer und Wohlfahrtsfonds garantieren ein Zusatzeinkommen neben der Pension, sind Sicherheit für Angehörige oder bei Berufsabbruch aus Krankheitsgründen. Wir alle wissen, dass die Zukunft der staatlichen Pensionen volatil ist. Und das ein zweites Vorsorgeinstrument notwendig ist, um die Pensionslücke zu schließen. Davon profitieren alle –vor allem diejenigen, die heute noch jung sind und weniger stark an die ferne Zukunft denken.

Wenn die Regierung schon fundamentale Änderungen anstrebt, sollte sie sich das Gesundheitssystem vornehmen – gemeinsam mit den Ärzten. Nicht um Geld zu sparen, sondern um Effizienz zu steigern und gleichzeitig die Leistungsfähigkeit des Systems zu stabilisieren.

Denn im Gesundheitssystem kracht es an allen Ecken und Enden: Es fehlen Ressourcen, Strukturen, vereinheitlichte Standards. Und es herrscht zu viel Klientelpolitik.

Neue Wege gehen, heißt nicht nur die Autonomie der Ärzte außer Frage zu stellen, sondern auch den Ärzten mehr Freiheit und garantierte Mitsprache in der Gesundheitsversorgung zu geben.

Dann lassen sich viele Knoten lösen.

ao. Univ.-Prof. Dr. Thomas Szekeres
Präsident der Ärztekammer für Wien
Präsident der Österreichischen Ärztekammer

Die weibliche Form ist der männlichen Form in diesem Blog gleichgestellt; lediglich aus Gründen der Leseverständlichkeit wurde die männliche Form gewählt.

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