Dr. Thomas Szekeres

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Wenn Statistiken Panik auslösen…

... ist das ein Zeichen für schlechte Interpretation. 35 Millionen Amerikanische Bürger sind über Nacht krank geworden. Nicht wegen einer Epidemie, sondern wegen eines neuen Grenzwertes für Bluthochdruck: 130/80 mm Hg. Diese Grenze darf nicht überschritten werden, ordnete die American Heart Association an. Das heißt, 46 Prozent der US-Amerikaner sind krank - überhöhter Blutdruck.

 

In Deutschland – und später wohl auch in Österreich – soll dieser Schritt nachgezogen werden. So kann man ein Land krankmachen und wie in den USA Hysterie auslösen. Die Pharmaindustrie freut sich.

Ähnliches in einem zweiten Fall. Laut Statistik haben die Österreicher eine deutlich schlechter gesunde Lebenserwartung als die meisten OECD-Staaten. Das entspricht natürlich weder den Tatsachen noch ist die Methode, wie man dazu kam, wissenschaftlich haltbar. Es war eine Befragung. Keine Messung.

Österreich hat laut Statistik auch eine der höchsten Arztquoten pro 1.000 Einwohner. Im Unterschied zu den meisten anderen Ländern werden in Österreich Turnus- und Assistenzärzte hinzugezählt. Das verzerrt die Statistik.

Und nochmals zur Ärztestatistik. Für die öffentliche Gesundheitsversorgung relevant ist, wie viele der niedergelassenen Ärzte Kassenverträge haben. Und da schaut es in Österreich im Vergleich zu anderen Ländern wieder schlecht aus – mit bedrohlicher Tendenz nach unten.

Nun können Statistiken per se nichts dafür – es geht um die Interpretation und die Vervielfältiger. Die Medien und das, was man öffentliche Meinung nennt.

Täglich werden – auch in sozialen Medien – irgendwelche Statistiken zu gesundheitlichen Themen veröffentlicht, verkürzt und nicht überprüft – zumeist sogar widersprüchlich zu Entdeckungen, die wenige Tage vorher publiziert wurden.

Täglich gibt es mehr Gesundheitsapps- und -tipps, die nur scheinbares Wissen verbreiten. In dieser Flut an zusammengewürfelten Schlagzeilen wird Übersicht und Nüchternheit unmöglich. Menschen sind verunsichert, konsultieren Fachleute, werden misstrauisch dem System gegenüber.

Den meisten Hysterien ließ sich recht einfach begegnen. Gesünderes, bewussteres Leben, ausgewogene Ernährung, mehr Bewegung, regelmäßiger Schlaf, reduzierter Alkohol- und Tabakkonsum sind die effizientesten Mittel gegen Bluthochdruck.

Auch hier sind wir wieder bei der Statistik – dieses Mal bei einer, die auf gemessenen Daten beruht: Österreicher bewegen sich zu wenig und trinken mehr als in den meisten anderen OECD-Ländern. Österreich liegt im Spitzenfeld beim Raucheranteil, ein Drittel der Bevölkerung ist übergewichtig, mit steigenden Anteil bei Kindern und Jugendlichen.
Eine der großen Herausforderungen der Gesundheitspolitik in den kommenden Jahren wird sein, Bewusstsein für gesundes Leben zu schaffen. Durch Ernährungsunterricht in den Schulen, Investitionen in Vorsorge und Bewegungssport.

Gesundheit ist kein medizinisches Thema alleine – es ist die Frage einer Lebenseinstellung und -haltung. Hier gilt es anzusetzen.

Und ein weiterer Rückschluss: Gerade deshalb brauchen wir den Hausarzt. Als Mentor für ein gesünderes Leben.


ao. Univ.-Prof. Dr. Thomas Szekeres
Präsident der Ärztekammer für Wien
Präsident der Österreichischen Ärztekammer

Die weibliche Form ist der männlichen Form in diesem Blog gleichgestellt; lediglich aus Gründen der Leseverständlichkeit wurde die männliche Form gewählt.

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