Dr. Thomas Szekeres

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Lass dicke Männer um mich sein…

…heißt es schon in Shakespeares Julius Caesar. Das Stück endet bekanntermaßen nicht gut. Zu dick sind immer mehr österreichische Kinder und Jugendliche. Nicht nur hier, in nahezu allen zivilisierten Ländern und signifikant in Schwellenländern wie Brasilien, Mexiko oder Argentinien.

 

Das zeigt die jüngste weltweite Ernährungsstudie. Die Tatsachen sind seit längerer Zeit bekannt: zu viel Fett, Zucker und Junk-Food, zu wenig Gemüse und Obst. Vor allem aber: zu wenig Bewegung und unkontrolliertes „Hineinstopfen“, gewissermaßen nebenbei: „to go“ ist eine Modeerscheinung, ebenso wie PC-Binging.

Österreichs Jugend sticht nochmals heraus: zu viel Alkohol und Nikotin. Die Zahl der jungen Raucherinnen steigt deutlich, trotz Verbot und Werbefreiheit.

Die Langzeitschäden – medizinisch und wirtschaftlich – sind beachtlich: Chronische Erkrankungen – Wirbelsäule und Bewegungsapparat, Diabetes, Augenschäden, Schwerhörigkeit – werden häufiger. Eine Studie der Uni Graz prognostiziert, dass in wenigen Jahrzehnten die Lebenserwartung wieder sinken wird, weil die Kids heute ungesund leben.

Die Politik – Bildungspolitik und Gesundheitspolitik – muss rasch reagieren. Die Forderungen der Ärzte und Ernährungswissenschafter liegen auf dem Tisch:

  • Kontinuierliche schulärztliche Betreuung und jährliche, verpflichtende Gesundenuntersuchungen, bei besserer Honorierung der Schulärzte.
  • Gesundheits- und Ernährungsunterricht unter Einbindung der Ärzte. Verpflichtend.
  • Schulküchen und Lehrgärten in Ganztagsschulen. Das Wissen von Kindern über Pflanzen, Gemüse und Tiere ist erschreckend unterentwickelt.
  • Mobilitätsunterricht: eine tägliche Turnstunde als Minimum. Intensivierung des Schulsports unter aktiver Vernetzung mit den Sportvereinen und -trainern.
  • Konsequentes Verkaufsverbot von Junk-Food und zuckerhaltigen Getränken in den Schulen – ob über Schulwart oder Automaten, bleibt sich gleich.
  • Gesunde Frühstücksangebote in den Supermärkten zu günstigen Preisen. Eine Initiative des Lebensmittelhandels ist gefordert.
  • Massive Einbindung und Verpflichtung der Eltern – bis hin zu zum Entzug von Unterstützungszahlungen.
  • Mehr Bewegungsangebote im urbanen Raum: in den Parks, Schwimmbädern und Freizeitanlagen.
  • Sporthallen mit niedrigen Ticketgebühren, zum Beispiel Kletterhallen, ein Trend der zieht.


Der volkswirtschaftliche Schaden einer zunehmend „chronisch kranken“ Jugend ist beträchtlich und geht in die Milliarden Euro pro Jahr: bedingte Erwerbsfähigkeit und steigernde Krankentage.

Noch etwas kommt hinzu: Dick sein ist signifikant arm und bildungsfern sein. Bildungs- und Sozialpolitik sind gefordert.

Wir Ärzte werden nicht aufhören zu mahnen und einzufordern. Wir sind aber auch bereit, unseren Teil zu leisten; an den Schulen und in den Sportvereinen.

Es ist Zeit, heißt der Wahlslogan der kommenden Regierungspartei.

Ja es ist Zeit für ein gesunde Österreich.

 
ao. Univ.-Prof. Dr. Thomas Szekeres
Präsident der Ärztekammer für Wien
Präsident der Österreichischen Ärztekammer
 
Die weibliche Form ist der männlichen Form in diesem Blog gleichgestellt; lediglich aus Gründen der Leseverständlichkeit wurde die männliche Form gewählt.

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