Dr. Thomas Szekeres

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Aufwachen bitte! Pflegenotstand!

Es sind nicht nur die Ärzte, die warnen. Auch die Krankenpfleger haben Alarm geschlagen. Der Pflegenotstand droht. Die Zahl der zu pflegenden Personen wird sich in den kommenden Jahren nahezu verdoppeln. Hingegen gibt es heute schon zu wenig qualifiziertes Pflegepersonal – es gibt nicht einmal eine verlässliche Zahl und dazu viele Pfleger aus dem benachbarten Ausland, deren Qualifikationen nicht nachprüfbar sind.

 

Ähnlich wie bei den Ärzten: ein großer Prozentsatz der österreichischen, diplomierten Pfleger steht knapp vor der Pensionierung, viele sind am Rand der Erschöpfung – Burn Out, Krankenstände.

Zu all dem kommt die schlechte Bezahlung und der Mangel an heimischem Nachwuchs. In einer Alternsgesellschaft ist das fatal. Noch dazu, da in Hinkunft auch viele Familienangehörige als Hauspfleger ausfallen werden – es gibt immer weniger klassische Familienverbände, dafür immer mehr Singles, Patch-Work Familien. Verantwortlichkeiten sind nicht mehr genau geklärt, Eltern und Kinder wohnen teilweise weit entfernt von einander.

In Deutschland gibt es zumindest eine Pflegeversicherung – Österreich war bislang säumig. Das einzige: Der Pflegeregress wurde abgeschafft. Was in den kommenden Jahren zu einem verstärkten Ansturm auf Alten- und Pflegeheime führen wird. Das ist ersten teuer, zweitens gibt es zu wenige Pflegeinrichtungen.

Es herrscht akuter Handlungsbedarf für die neue Regierung.

Ausbildungsoffensive für Pflegeberufe, Einführung einer Pflegeversicherung, mehr Ärzte, die sich auf Geriatrie und Gerontologie verstehen, neuen Formen der mobilen Versorgung und spezielle therapeutische Einrichtungen – was tun beispielsweise mit den über 250.000 Dementen, die wir bis zum Jahre 2050 haben werden?

Pflege ist Teil einer umfassenden Gesundheitsversorgung und kann nicht weiter getrennt davon gesehen und finanziert werden. Mit – angekündigten – rigiden Sparmaßnahmen wir das nicht gehen. Im Gegenteil: Man wird für Gesundheit mehr Budget freischaufeln müssen.

Dabei muss man nicht alles neu erfinden: Es gibt Vorbilder in Dänemark und in den Niederlanden, wo es spezielle Pflegeressorts gibt, in Deutschland und anderen Ländern gibt es bereits staatliche Pflegeversicherungen, dort werden kleinere Provinzspitäler in Pflegheime umgebaut, weil man die Krankenhäuser ohnehin schließen hatte müssen.

Eines steht fest: Augen schließen und glauben man könne sich irgendwie durchlavieren, geht nicht. Phantasie, Konsequenz und öffentliche Mittel sind gefragt. Und eine rasche Ausbildungsoffensive mit klar definierten Qualitätsstandards. Der Import von Pflegekräften bringt uns nicht weiter.

ao. Univ.-Prof. Dr. Thomas Szekeres
Präsident der Ärztekammer für Wien
Präsident der Österreichischen Ärztekammer

Die weibliche Form ist der männlichen Form in diesem Blog gleichgestellt; lediglich aus Gründen der Leseverständlichkeit wurde die männliche Form gewählt.


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