Dr. Thomas Szekeres

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Kooperation und Selbstachtung.

Die Neufassung des Hippokratischen Eides – eine Auffrischung

„Mein Leben in den Dienst der Menschlichkeit zu stellen…“. Das ist der erste Satz des Hippokratischen Eides, mehr als 2400 Jahre alt, in seiner bislang letztgültigen Fassung des Weltärztebundes in Genf.

 

„Die Gesundheit meines Patienten soll oberstes Gebot meines Handelns sein.“ Ein weiterer kardinaler Satz – gültiger denn je. Gerade in Zeiten, da Ressourcenmangel herrscht, finanzieller Druck auf dem Gesundheitssystem liegt und Sparmaßnahmen angeordnet werden.

Nunmehr wurde – aufgrund einer Initiative der Deutschen Ärztekammer – diese Fassung erweitert: Ärzte sollen stets bereit sein Wissen mit Kollegen zu teilen. Und mehr auf die eigene Gesundheit achten und sich nicht überfordern lassen. Mehr Rücksichtnahme auf sich selbst zugunsten der Konzentration auf andere – die Patienten in erster Linie.

Beide Sätze sind notwendig und sinnvoll: Medizin ist arbeitsteiliger denn je, Wissenstransfer von Arzt zu Arzt, von Arzt zu Krankenhaus ist entscheidend, ohne dass man als einzelner Arzt deshalb den Menschen als Ganzes aus dem Blick verliert.

Und wesentlich scheint die Selbstachtung und die Warnung vor Selbstausbeutung: Noch immer müssen Ärzte wesentlich mehr arbeiten als das Gros der Bevölkerung, ihre Ausbildungszeit gehört zu den längsten unter akademischen Berufen. Die Verantwortung ist höher denn je, zum Teil auch wegen einer immer komplexer gewordenen Judikatur und Haftungssituation und auch wegen immer komplexeren Therapiemöglichkeiten.

Beide Sätze sind notwendig, wahr und widerspiegeln eine technisch – wissenschaftliche und gesellschaftliche Entwicklung.

Beide Sätze implizieren aber direkt oder indirekt: Wir brauchen mehr Ärzte, damit sie ihre eigene Gesundheit nicht aufs Spiel setzen, weniger häufig Stresssymptomen ausgesetzt sind, was sich natürlich auch auf den Patienten auswirkt.

Und wir brauchen ein Gesundheitssystem, das durchlässiger ist, das ärztliches Tun und ärztlichen Wissenstransfer die Priorität einräumt vor bürokratischen und administrativen Kram, der auch von anderen, nichtärztlichen Personen erledigt werden könnte. Und wir brauchen ein Gesundheitssystem, dessen Finanzierung nicht in Frage gestellt wird. Das ist ein strikter Auftrag an die Politik.

Ich denke, wir sollen öfter den hippokratischen Eid ins öffentliche Bewusstsein tragen. Denn er sagt viel über das Ethos unseres Berufs aus. Und er ist eine einzige Widerstandserklärung gegen die drohende Ökonomisierung von Medizin und gegen eine Zweiklassenmedizin.

Gelöbnis

Bei meiner Aufnahme in den ärztlichen Berufsstand gelobe ich feierlich:
mein Leben in den Dienst der Menschlichkeit zu stellen.

Ich werde meinen Lehrern die schuldige Achtung und Dankbarkeit erweisen.
Ich werde meinen Beruf mit Gewissenhaftigkeit und Würde ausüben.

Die Gesundheit meines Patienten soll oberstes Gebot meines Handelns sein.

Ich werde alle mir anvertrauten Geheimnisse auch über den Tod des Patienten hinaus wahren.

Ich werde mit allen meinen Kräften die Ehre und die edle Überlieferung des ärztlichen Berufes aufrechterhalten.

Meine Kolleginnen und Kollegen sollen meine Schwestern und Brüder sein.

Ich werde mich in meinen ärztlichen Pflichten meinem Patienten gegenüber nicht beeinflussen lassen durch Alter, Krankheit oder Behinderung, Konfession, ethnische Herkunft, Geschlecht, Staatsangehörigkeit, politische Zugehörigkeit, Rasse, sexuelle Orientierung oder soziale Stellung.

Ich werde jedem Menschenleben von seinem Beginn an Ehrfurcht entgegenbringen und selbst unter Bedrohung meine ärztliche Kunst nicht in Widerspruch zu den Geboten der Menschlichkeit anwenden.

Dies alles verspreche ich feierlich und frei auf meine Ehre.

ao. Univ.-Prof. Dr. Thomas Szekeres
Präsident der Ärztekammer für Wien
Präsident der Österreichischen Ärztekammer

 

Die weibliche Form ist der männlichen Form in diesem Blog gleichgestellt; lediglich aus Gründen der Leseverständlichkeit wurde die männliche Form gewählt.

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