Dr. Thomas Szekeres

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Wo bleibt die Gesundheit?

Die politischen Parteien rüsten sich zur Wahl und stellen ihre Programme, Pläne und Forderungen vor. Alles Mögliche findet sich darunter. Zur Gesundheit fällt den meisten wenig ein. Außer Sparen, Zusammenlegen und Doppelgleisigkeiten vermeiden.

 

Apropos Doppelgleisigkeit. Fällt niemanden auf, dass Doppelgleisigkeit in der Medizin sogar eine Grundbedingung und Usus ist? Es ist vollkommen normal, dass sich Patienten eine zweite oder dritte Arztmeinung einholen. Es ist auch nicht unüblich, dass eine Untersuchung – unter anderen Rahmenbedingungen – ein zweites Mal durchgeführt wird.

Wo es um Menschenleben und Schicksale geht, kann nicht genügend Vorsicht walten.

Dazu sind Ärzte verpflichtet.

Wenn diese Doppelgleisigkeit auch in der Informationspolitik und bei den Poltikern herrschen würde – sprich Check und Re-Chek – würde es weniger Fakes und mehr Klarheiten geben.

Zurück: Wo sind die großen gesundheitlichen Perspektiven? Wo gibt es nachhaltige Präventionskonzepte? Wo gibt es den Plan A oder K für ein gesundes Österreich?

Wir sind in fast allen Statistiken Nachzügler: schlechte Ernährung, hoher Alkoholkonsum, wenig Bewegung, hohe Adipositasrate.

Wo sind die Konzepte, die verhindern, dass Jugendliche von heute in zehn Jahren zu dauerkranken Menschen werden? Wo gibt es den Demenzplan Österreich, angesichts der Tatsache, dass wir im Jahre 2060 etwa 350.000 demente Menschen haben werden? Das ist sogar eine konservative Schätzung.

Offensichtlich ist es für die Politik einfacher, entweder Slogans oder populistische, kurzfristige Forderungen zu produzieren: Mindestlohn, weniger Lohnsteuer (wird übrigens schon seit Jahrzehnten versprochen), weniger Nebenkosten für Unternehmer und Kürzung der Pensionen bei den Reichen.

Wo gibt es Pläne zur flächendeckenden, ärztlichen Versorgung von ländlichen Randgebieten? Wann werden teure Krankenbetten zu Pflegebetten umgebaut und wie will man den Gendergap schließen?

Ich wünsche mir von einer zukünftigen Regierung – gleichgültig wie sie sich zusammensetzt – mehr Aufrichtigkeit, mehr Demut und mehr Kooperationsbereitschaft mit denen, die sich jahrelang mit gesundheitspolitischen Fragen befassen, wissen wie Patienten, Pflegekräfte und Ärzte denken und handeln und wo es die größten Systemfehler gibt.

Ich wünsche mir, dass Gesundheit nicht nur bei Festtagsreden und internationalen Kongressen thematisiert wird, sondern im Alltag: an den Schulen, in den Kindergärten und Horten.

Und ich wünsche mir, dass Ärzte und Pflegekräfte wieder denjenigen Respekt und jene Achtung seitens der Politik erhalten, den sie verdienen.

Glauben Sie mir: keiner wird Arzt und studiert mehr als ein Jahrzehnt lang, inklusive Fachausbildung, weil er reich und privilegiert sein möchte, sondern weil er Menschen helfen möchte.

Aus Leidenschaft.

Wenn man diesen Menschen die Leidenschaft sukzessive nimmt, dann schafft man Leiden und ruiniert ein soziales Gesundheitssystem.


ao. Univ.-Prof. Dr. Thomas Szekeres
Präsident der Ärztekammer für Wien
Präsident der Österreichischen Ärztekammer

Die weibliche Form ist der männlichen Form in diesem Blog gleichgestellt; lediglich aus Gründen der Leseverständlichkeit wurde die männliche Form gewählt.

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