Dr. Thomas Szekeres

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KAV neu!

Reorganisation oder Retikettierung?

Der KAV wird in Hinkunft eine Art öffentlich-rechtliches Unternehmen sein. Damit ist – vorerst – die Schreckensvision einer klammheimlichen Privatisierung abgewehrt. Und gleichzeitig ist der KAV den Zwängen und Beschränktheiten des Magistrats enthoben. Das heißt: Gestaltungsautonomie, aber auch Verantwortung. Was das für Mitarbeiter und vor allem Patient bedeutet, muss sich herausstellen.

 

In den meisten Bundesländern ist das Krankenhauswesen in eigenen Gesellschaften ausgelagert, die teilweise als hundertprozentige Tochtergesellschaften von Ländern und Kommunen agieren, teilweise in Formen von öffentlich-rechtlichen Unternehmen, wie etwa die Kärntner KABEG.

Alle diese Modelle klingen in der Theorie sehr gut, bedürften aber der absoluten Nichteinmischung von Politik und Parteiklügeln, um zu funktionieren. Und vor allem brauchen sie Zeit und Personal, um sich zu strukturieren.

In Wien ist die Zeit knapp. Das gesamte System steht vor dem Zusammenbruch. Mit der Auslagerung des KAV muss wohl auch der Krankenhausreformplan 2030 gecancelt und neu aufgestellt werden. Und vor allem muss die bauliche Infrastruktur möglichst rasch geschaffen werden: Fertigstellung des Krankenhauses Nord und Sanierung jener Spitäler, die man auch in Zukunft betreiben will und muss.

Dazu aber – und hier beginnt die Teufelsspirale – braucht man einen Plan: Welche Krankenhäuser sollen welches Angebot leisten? Wo konzentriert man was? Wo kann wirklich geschlossen werden? Und: Was geschieht mit dem AKH? Schließlich ist die Stadt Wien – und damit eventuell auch der KAV neu – der Betreiber.

Parallel dazu muss sich der neue KAV-Vorstand einmal einen Überblick verschaffen. Ich bezweifle, ob es dazu Dokumentationen gibt. Ich vermute, dass viel an Wissen ausschließlich in den Köpfen von Führungskräften vorhanden ist, die entweder nicht mehr da sind, oder knapp vor der Pensionierung stehen.

Nur so kann eine realistische Bedarfs- und Personalplanung erfolgen.

Und dann ist zu kalkulieren, wie hoch die Einwohnerzahl im Jahr 2022 und 2025 sein wird: Bereits 2 Millionen, bei einem Anteil der über 80jährigen von mehr als 10%.

Es ist eine Mammutaufgabe, die zu tun ist, ein Augiasproblem wie bei Herkules. Die Versäumnisse von 15 Jahren sind aufzuholen und Problemschutt abzutragen: im wörtlichen Sinn.

Und eine Frage muss gestellt werden: Wie läuft die Übernahme der derzeitigen Gemeinärzten in den KAV ab? Wer wird deren Pensionen finanzieren? Ein gleichartiges Problem musste schon bei der Übernahme der Beamten durch Wien Energie und Wiener Linien gelöst werden – mit der Konsequenz, dass durch die Übernahme der Pensionszusagen die Bilanzen der erfolgreichen Energieversorger tiefrot wurden. Diese Frage werden die Mitarbeiter über kurz oder lang vehement stellen.

Machbar ist alles. Notwendig war und ist dieser Schritt.

Jetzt gilt es – aus der Sicht der Stadt – Verbündete und Wohlgemeinte zu sammeln. Zum Beispiel die Ärzteschaft und die Ärztekammer.

Wir sind offen. Und wir haben auch Ideen, Konzepte, Modelle. Und vor allem die Erfahrung vor Ort und das Wissen.

Mit der Neuorganisation des KAV ist es nicht getan. Der weitaus größere Brocken ist die Verzahnung mit dem niedergelassenen Bereich zur Sicherung der wohnortnahen Versorgung.

Wie gesagt: Wir sind bereit.

ao. Univ.-Prof. Dr. Thomas Szekeres
Präsident der Ärztekammer für Wien
Präsident der Österreichischen Ärztekammer

Die weibliche Form ist der männlichen Form in diesem Blog gleichgestellt; lediglich aus Gründen der Leseverständlichkeit wurde die männliche Form gewählt.

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