Dr. Thomas Szekeres

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Verlorene Millionen für Spitäler

Zahlungsverzögerung bei Kassen?

60 Tage warten öffentliche Krankenhäuser auf die Bezahlung ihrer Rechnungen, 48 Tage sind es bei Privatkliniken, 33 Tage im Durchschnitt. Das bedeutet: 5,4 Milliarden Euro Liquiditätsverlust pro Jahr für die Krankenhäuser. Das sind die Ergebnisse einer PWC-Studie für Deutschland. Umgebrochen auf Österreich hieße das: knapp 500 Millionen Euro. Damit kann man – außer in Wien – ein formidables Zentralkrankenhaus bauen.

 

Falls die deutsche Statistik – und alles spricht dafür – auf Österreich angewandt würde, hieße das: Die Krankenversicherungen sind säumig bei der Bezahlung der Behandlungskosten. Sie hingegen bekommen ihre – lohnabhängigen – Einnahmen relativ rasch. Direkt von Arbeitnehmern und Arbeitgebern.

Es kann aber auch heißen: Krankenhäuser sind säumig bei Mahnungen und in der Administration.

Die Wahrheit dürfte in der Mitte liegen.

Was auf Krankenhäuser zutrifft, trifft auch auf den niedergelassenen Bereich zu: Niemand zahlt so schleppend wie Krankenkassen. Leidtragende sind die Ärzte, ohnehin schlecht honoriert.

Vielleicht sollten die Sozialversicherungsträger auch darüber einmal nachdenken, wenn sie ihr System optimieren.

Vielleicht sollten auch die Krankenhausbetreiber – wenn schon Ideen und Vorschlägen nach budgetären Auslagerungen herrschen – ihr eigenes Rechnungswesen durchforsten. (Das betrifft auch den Einkauf – es existieren kaum Parameter oder gemeinsame überregionale Einkaufsplattformen.)

Vielleicht sollte man sich auch die Frage stellen, warum private Krankenhäuser (auch Ordenspitäler) nicht so lange auf ihr Geld warten müssen: Sind sie radikaler im Eintreiben und Mahnen, oder haben sie bessere Connections zu den Versicherungen?

Bevor man großartig über Stellenstreichungen und andere Sparmaßnahmen redet, sollte man Ausgrabungen machen: Dazu gehört die Kümmernis, dass man Geld auch rechtzeitig bekommt. 60 Tage Zahlungszeit, das würden wenige Kleinunternehmen lange aushalten.

Manchmal ist es gut Gesundheitsökonomie zu betreiben. Solange man nicht an Leistungen, Personal und Betreuung der Patienten spart.

Es gibt offensichtlich auch andere Sparpotentiale.

Ao. Univ.-Prof. Dr. Thomas Szekeres
Präsident der Ärztekammer für Wien

Die weibliche Form ist der männlichen Form in diesem Blog gleichgestellt; lediglich aus Gründen der Leseverständlichkeit wurde die männliche Form gewählt.

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