Dr. Thomas Szekeres

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Gesundheitspolitik – Stillstand oder Verzweiflung?

Die Regierung hat Neuwahlen beschlossen – die Reparatur des Pflegeregresses und der Pflegeversicherung lassen weiter auf sich warten. Wie es mit den PHC weitergehen wird, ist ebenfalls noch unklar. In Wien verzögert sich die Neubestellung der KAV-Direktion weiter. Stillstand – über den Sommer hinaus? Und dann?

 

In Wien gibt es seit einigen Jahren wieder mehr Geburten. Das war vorauszusehen. Es fehlen aber sowohl Hebammen als auch Kapazitäten in den Geburtsstationen.

Es ist an der Zeit, den Zustand der Provisorien und des dynamischen Stillstandes zu beenden.

Österreichs Statistik meldet Rekordabgänge von jungen Medizinern ins Ausland, vorwiegend in die Schweiz und nach Deutschland. Dafür können in vielen ländlichen Spitälern die Turnusplätze nicht besetzt werden. Es fehlen österreichweit Bewerber für allgemeinmedizinische Praxen, weil die Bedingungen und die Honorierung ungenügend sind.

Es gibt zwar einen sogenannten Plan A, bald vielleicht auch einen Plan K und es gibt das Krankenhauskonzept Wien 2030. Alles zusammen: Bislang reine Versprechungen, Verzögerungen, Papier, teilweise nicht realisierbar oder kontraproduktiv, wie das Spitalskonzept 2030 in weiten Teilen.

Inzwischen drohen Spitäler in Wien baulich zu verkommen, es gibt deutlich zu wenige Pflegebetten, die Ressourcen sind erschöpft: Bei Personal und Ärzten.

Die neue Wiener Gesundheitsstadträtin Sandra Frauenberger hat in den ersten Monaten das Wichtigste getan: Sie hat die Spitäler besucht, mit den Mitarbeitern gesprochen, versucht die Lage zu beruhigen. Das war eine positive Geste, die gut angekommen ist.

Doch jetzt müssen konkrete Schritte gesetzt werden. Sinnvollerweise gemeinsam mit der Ärzteschaft, mit den Verantwortlichen, die täglich in der Praxis stehen und wissen, an welchen Details was krankt, wo man zumindest rasch kleine Schritte setzen könnte. Ein wenig mehr Autonomie und Vertrauen in die Selbstorganisation von Abteilungen – und es wäre schon Einiges deutlich besser.

Wenn der KAV neu bestellt wird, sollte man deshalb die bisherigen Prozesse umstürzen: Nicht Verordnungen von oben, nicht Planquadrate und Verordnungsschreiben, sondern Erneuerung von unten nach oben. Ein breites Brainstorming und eine erste sachliche Analyse und Evaluierung, wie es im KAV steht.

Ich befürchte, die Spitze des KAV weiß nicht, welche Abteilungen und welche Mitarbeiter wo überfordert sind oder inadäquat eingesetzt werden, wo welche Kräfte dringlich abgehen, wo Rufbereitschaft sinnhaft sein kann und wo nicht.

Deshalb: Von Anfang an ein Signal setzen. Vergangenheit wegfegen und neu beginnen. Unter Einbindung Aller. Und mit ernsthaftem Engagement.

Das wird kein einfacher Prozess. Aber er ist notwendig, um einen heillos verfahrenen Karren wieder bewegungsfähig zu machen.

Ich kann zusagen: Wir Ärzte sind mit Engagement dabei.

ao. Univ.-Prof. Dr. Thomas Szekeres
Präsident der Ärztekammer für Wien

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