Dr. Thomas Szekeres

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Die Quote allein ist es nicht…

Betrachtungen zum Studierendenschlüssel an den Medunis

Nun ist es endlich kein Provisorium mehr: Die EU erlaubt Österreich, drei Viertel der Medizinstudiumplätze ausschließlich für Studenten mit österreichischem Maturazeugnis (Nicht Staatsbürgerschaft) zu reservieren. Das ist gut, weil endgültig manifestiert.

 

Dass nun auch großes Aufatmen stattfinden kann – Ärztemangel für die Zukunft ausgeschlossen – ist aber ein Fehlschluss. Denn die Mehrzahl der ins Ausland abwandernden Absolventen tut dies nicht aus Jux und Tollerei oder weil es in Österreich keine Jobs gäbe.

Nein: Absolventen (außer diejenigen, die einfach in ihre Heimat zurückgehen wollen) verlassen Österreich, weil die Arbeitsbedingungen, das Klima, die Wertschätzung, die Karrierechancen und nicht zu Letzt auch die Bezahlung in UK (noch) oder in der Schweiz besser sind.

Die Mehrzahl der Turnusärzte beklagt sich seit Jahren, dass die Ausbildung in den Spitälern mangelhaft bis schlecht oder gar nicht vorhanden sei, ist irritiert über administrative Tätigkeiten, die auch ein Nicht-Arzt erledigen könnte und andere Einsätze „für die man nicht jahrelang studiert“ hat.

Nehmen wir die EU-Entscheidung als Signal und überlegen wir, wie wir Arzt Sein in Österreich so attraktiv gestalten können, dass kein Brain-Drain mehr stattfindet.

Das beginnt bei einer Studienreform, die Praxis noch stärker miteinbezieht und viel intensiver auf ein „Gesamtverständnis menschlichen Wesens“ abzielt. Mehr Generealismus statt noch mehr Spezialisierung.

Und das setzt sich fort beim verpflichtenden Praxisjahr –das wirklich ein Jahr dauern sollte und Mitarbeit in niedergelassenen Praxen vorsieht, dessen Finanzierung allerdings österreichweit gesichert werden muss.

Das heißt weiter: eine deutliche bessere Turnusausbildung – mit mehr Betreuung der Jungärzte und weniger Administration, Bürokratie und „Spritzenferdltum“.

Das bedeutet vor allem: Mehr Wertschätzung vor den Menschen, die den Arztberuf hier ausüben wollen. Flexiblere Arbeitszeiten in den Spitälern (vor allem für Frauen), echte Ausbildungsräder mit Mentorenprinzip, Enthierarchisierungerung des Betriebes. Auszubildende müssen Möglichkeit und Zeit haben,  zu rotieren und sich zu orientieren, ihre Fähigkeiten und Talente zu erkennen und vor allem sich weiterzubilden. Das alles ist derzeit zu wenig der Fall.

Bevor wir also über die Studienplätze reden, über alternative Medizin-Light-Privatuniversitäten und Zwangsverpflichtungen, auch in Österreich zu praktizieren und glauben, dass eine Dreiviertel-Quote alles löse, sollten wir ehrlich sein: Ursachen analysieren und dann Schritt für Schritt reformieren.

Was wir brauchen sind nicht nur ausreichend viele, sondern vor allem auch motivierte Ärzte. Was wir brauchen ist ein patienten- und ärztefreundlichen Klima.

Ao. Univ.-Prof. Dr. Thomas Szekeres
Präsident der Ärztekammer für Wien

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