Dr. Thomas Szekeres

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Gesundheitsökonomie – Nein, Danke!

Gesundenpolitik mit Herz und Verstand. Das braucht es.

In einigen Spitälern wird sogenannte Chaosbelegung praktiziert. Das heißt, dass PatientInnen dorthin verlegt werden, wo gerade ein Bett frei ist: Das mag am grünen Planungstisch zwar recht gut und logisch aussehen, gefährdet aber die Behandlung und Therapie. In Ausnahmefällen mag dies akzeptabel sein. Chaos als System ist aber gefährlich. Und fahrlässig.



Chaosorganisation kennt man aus der Logistik. Amazon beherrscht dies hervorragend. Alle Waren werden ohne Absicht nebeneinander verräumt und wieder versandt. Menschen sind aber keine Pakete. Und Krankheiten keine Ware.

Vielleicht sollte man generell den Einfluss der sogenannten Gesundheitsökonomen auf die Versorgung hinterfragen. Häufig sind sie es, die Strukturen und Konzepte erarbeiten, die so weit entfernt von der Realität eines Krankenhauses oder einer Landpraxis sind, dass sie nahezu zynisch klingen.

Krankheiten sind nicht planbar, Krankheitsverläufe individuell und von vielen außermedizinischen Faktoren abhängig: von der Atmosphäre, den räumlichen Gegebenheiten, der Intensität der Zuwendung durch PflegerInnen und ÄrztInnen.

Wer Gesundheitspolitik betreibt, um scheinbare Parameter zu verändern, spart nicht, sondern treibt die Kosten in die Höhe.

Was bringt es, wenn PatientInnen 2 oder 3 Tage früher entlassen werden, damit teure Betten wieder belegt werden können, wenn eben diese PatientInnen ein paar Tage später wieder eingewiesen werden müssen, weil es an häuslicher Pflege fehlt?

Was bringt es, wenn PatientInnen im Kreis geschickt werden, nur weil ÄrztInnen – zu Recht – Angst haben, sie könnten in juridische Haftungsprobleme kommen und es keine entsprechende Versicherung oder pragmatische Handhabungen gibt?

Was bringen PHC, wenn sie kilometerweit entfernt sind, auch nicht rund um die Uhr offen haben, hingegen weit und breit kein Hausarzt mehr ordiniert, weil sich kein Nachfolger gefunden hat, der zu aktuellen Honorarbedingungen bereit ist zu arbeiten?

Was bringt es, wenn man ein Praxisjahr an den Spitälern verordnet – eine gute Idee –, wenn die Spitäler darauf nicht vorbereitet sind und die TurnusärztInnen in die Warteschlange kommen?

So wie viele andere PatientInnen auch.

Was soll dabei herauskommen, wenn gesetzlich verordnet wird, dass die Wartezeiten limitiert werden? Das ist realitätsfremd, solange nicht mehr Geld bereitgestellt wird.

Deckelungen aus ökonomischer Sicht sind letztendlich versteckte Kostenbomben und Abwälzungsmechanismen in die Privatmedizin. Und exakt das führt zu Wartezeiten bei denen, die wenig Geld haben oder nicht privat versichert sind. Oder zwingt sie, auf ihre Ersparnisse zurückzugreifen.

Gesundheitsökonomie, wie sie derzeit betrieben wird, führt zur Unfinanzierbarkeit des sozialen Systems. Der Verdacht keimt auf, dass die Ökonomen exakt dafür engagiert werden: dass sie den Weg ebnen in die 2-Klassen-Gesellschaft. Und nichts anders sind als Büttel der Politik.

Verantwortung müssen diejenigen, die kluge Konzepte entwerfen, mit dem Rechenstift vormachen wollen, was man einsparen kann, nie tragen. Bis es soweit ist, haben sie ihr Mandat längst beendet.

Das Resultat: ein Wirrwarr an Bürokratismen, ein Dschungel an Missplanungen und eine ratlose Ärzteschaft – und leidende PatientInnen.

Lasst die Praktiker und Pragmatiker entscheiden.

Ao. Univ.-Prof. Dr. Thomas Szekeres
Präsident der Ärztekammer für Wien

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