Dr. Thomas Szekeres

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Schluss mit dem PHC-Monopol.

Wo bleiben Allgemeinmediziner und Gruppenpraxen?

Dass wohnortnahe Versorgung notwendig und essentiell für ein funktionierendes Gesundheitssystem ist, ist evident. Dass der Allgemeinmediziner, die Vertrauensperson schlechthin, dabei eine zentrale Rolle spielen muss, sollte auch logisch sein. Die PatientInnen erwarten das zu Recht. Ebenso wie sie ihr Recht auf freie Arztwahl wahrnehmen wollen.

 

Warum will die Politik dank auf Teufel komm' raus verordnete PHC durchsetzen, noch dazu unter Aufkündigung der Vertragskompetenz der Ärztekammer und mit der Option, dass sich nicht ÄrztInnen an PHC beteiligen können?

Warum weigert man sich seitens der Sozialversicherung, endlich die Honorare für Allgemeinmediziner auf ein vernünftiges Niveau – das heißt deutlich – anzuheben und ihre Rolle öffentlich zu stärken, statt den Allgemeinmediziner sukzessive zu demontieren?

Und warum will man unbedingt Einzelverträge mit Medizinern abschließen? Um die Ärzteschaft zu entsolidarisieren? Oder um still und heimlich eine Zweiklassenmedizin zu fördern?

Derzeit ist das Interesse an PHC gering. Gruppenpraxen werden nicht genehmigt, beziehungsweise sind nicht finanzierbar, solange die Sozialversicherung sich weigert über angemessenen Kostenersatz zu verhandeln für: Längere Öffnungszeiten, Wochenenddienste, erhöhtes Personal in der Administration etc.

Man hat den Eindruck, als würde nicht die volle Wahrheit gesagt werden.

Fakt ist: Sozialversicherung und Politik wollen unter allen Umständen sparen. Sie sind bereit, Kosten direkt an die Menschen abzuwälzen. Wer rasch und nach seinen Wahlvorstellungen behandelt werden möchte, soll halt selbst zahlen.

Oder sich teuer privat versichern lassen: Absurderweise bieten private Versicherungen schon heute eine „Notfallambulanz“ an. Gegen dementsprechendes Entgelt natürlich. Das widerläuft einem sozial gerechten Gesundheitssystem.

Wir Ärzte sind für alles offen: Gruppenpraxen etc. Aber wir haben klare No-Gos: Keine Aushöhlung des Allgemeinmediziners und damit Ausdünnung der wohnortnahen Versorgung, keine clandestine Privatisierung durch PHC, in denen fremde Investoren sitzen, die ausschließlich auf Gewinn fixiert sind, keine Aufweichung der Vertragskompetenz.

Das Berufsbild des freien, unabhängigen Arztes darf nicht unterminiert werden. Sonst landen wir direkt in einem Mix aus Staats- und Luxusprivatmedizin.

Sozialsystem adé.

Wer soll das wollen?

ao. Univ.-Prof. Dr. Thomas Szekeres
Präsident der Ärztekammer für Wien

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