Dr. Thomas Szekeres

« Oktober 2012»
S M D M D F S
  1 2 3 4 5 6
7 8 9 10 11 12 13
14 15 16 17 18 19 20
21 22 23 24 25 26 27
28 29 30 31      

Kategorien

Für ein nachhaltiges Gesundheitssystem

Jetzt sind die Ärzte am Zug

Eine der Grundproblematiken unseres Gesundheitssystems ist die Selbstzuweisung des Patienten.

Ein Mensch, der krank ist, sich verletzt hat, will das Gesundheitsversorgungssystem in Anspruch nehmen. In vielen Fällen – und das zeigt die Praxis in der Großstadt – geht er nicht zuerst zum praktischen Arzt, sondern gleich in die Ambulanz. Durch seine Selbsteinweisung belastet er ein System, das darauf nicht eingerichtet ist. Eine Spitalsambulanz ist für Notfälle gedacht, für die rasche Versorgung, und für ausschließlich gefährdende Fälle.

Die ursprünglichen Systematik des Gesundheitssystems ist darauf angelegt, dass der Patient zunächst zum praktischen Arzt geht, der erst diagnostiziert, und dem Patienten dann mitteilt, ob er ins Krankenhaus solle, oder nicht. In 50-60% der Fälle sind die Patientenbeschwerden vorübergehend, nicht gefährlich, und bedürfen keiner stationären oder akuten Behandlung in einem spezialisierten Krankenhaus. Jede, nicht wirklich notwendige Behandlung und Aufnahme in einer Ambulanz kostet Zeit und Geld und belastet damit das Gesundheitssystem.

Wenn es gelingt, die Schnittstellen neu zu definieren, neues Vertrauen des Patienten in das System herzustellen, sodass er automatisch zunächst zum Arzt geht, ihn vielleicht sogar telefonisch kontaktiert, erst untersucht, nicht automatisch an Fachärzte oder in einem Kreislauf von Voruntersuchungen geschickt wird, sondern aufgeklärt, behandelt und nur im Ernstfall weiterverwiesen wird, wird das Gesundheitssystem per se entlastet und man kann mit vorhandenen Ressourcen bessere, effizientere und menschlich ansprechendere Leistungen erzielen.

Es gilt, diese Grundproblematik des Österreichischen Gesundheitssystems zu analysieren, die derzeitige Situation zu evaluieren und daraus neue Schnittstellenraster zu entwickeln: Aufwertung des Hausarztes und bessere Abdeckung der Stadt mit Hausarztpraxen, deutliche Ausweitung der Öffnungszeiten, sodass der Patient nicht mehr automatisch eine Krankenambulanz aufsuchen muss (oder zu müssen glaubt), ein Netz von privaten Ambulanzen, die Krankenhäusern vorgelagert sind, und über die notwendige, medizinische Ausstattung (Röntgen, Blutanalyse, Labor, kleinchirurgische Station, etc.) verfügen, um wiederum 60-80% der ambulanten Fälle abdecken können, ohne dass der stationäre Krankenhausbereich belastet würde.

Die Schnittstelle der Gruppenambulanzen ist dann die Präselektion für den stationären Bereich, der sich auf seine Kernaufgaben konzentriert, sodass auch mehr Zeit für eine Patientenbetreuung vorhanden wäre.

Die vierte Schnittstelle sollte wieder die Rückführung des Kreises zum praktischen Arzt sein. Es ist eine Tatsache in Österreich, dass Patienten zu rasch entlassen werden, es kaum postoperativen oder posttherapeutischen Pflege- oder Rehabilitationsmaßnahmen gibt, sodass viele Menschen, vor allem ältere, wenige Tage nach der Entlassung aus dem Krankenhaus wieder eingewiesen werden müssen, weil niemand sie professionell pflegt und sich um sie kümmert.

Würde mehr Zeit, Geld und Aufwand in die postoperative Betreuung investiert, wären die Krankenhäuser weniger stark überfüllt und die Bettenkosten reduziert werden.

Wenn Patienten nach der Entlassung wieder zum praktischen Arzt rückgeführt werden, es genügend ausgebaute Hausbetreuungsversorgungen gibt, könnte eine nicht notwendige Rückeinweisung in den stationären Bereich in einem Großteil der Fälle verhindert werden.

Damit etablierte sich eine neue Form des Gesundheitszuweisungs- und -schnittstellensystems, die 3 Vorteile in sich vereint: höhere Patientenzufriedenheit, höhere Zufriedenheit und mehr Zeit für die Ärzte und damit für die Patientengespräche, bessere Auslastung der Spitäler und des niedergelassenen Bereiches und letztendlich eine Kostensenkung, ohne an Qualität zu verlieren.

Dr. Thomas Szekeres

Präsident der Ärztekammer für Wien

Mein Kommentar

Benachrichtige mich, wenn jemand einen Kommentar zu dieser Nachricht schreibt.

Zurück