Dr. Thomas Szekeres

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Über Fehler, Kultur und Angst

Österreich ist ein Land, in dem die Fehlerkultur nicht besonders ausgeprägt ist. Das hat historische Gründe. Der Psychoanalytiker Erwin Ringel würde es der österreichischen Seele zuschreiben und von einer Verdrängungskultur sprechen.

Fehler gibt es überall. Und Fehler macht jeder Mensch, außer er tut nichts.

Das trifft auch auf Ärzte zu. Niemand wird bestreiten, dass es, angesichts der Millionen ambulanten Patientenkontakten pro Jahr allein in Wien, zu Fehlern und Fehlbehandlungen kommen muss.

Allerdings sollte man differenzieren. Eine Fehlbehandlung muss nicht Resultat unprofessionellen und schlampigen Arbeitens seins. Fehleinschätzungen – gerade bei komplizierten Fällen oder in der Notwendigkeit, in Sekundenschnelle Entscheidungen zu fällen – sind selbst bei besten Wissen und Gewissen nicht auszuschließen. Der menschliche Körper ist keine Maschine. Und der Arzt auch nicht. Kollektive Schuldzuschreibung aufgrund von Einzelfällen ist deshalb kontraproduktiv. Produktiv sind hingegen gemeinschaftliches Bemühen zur Fehlervermeidung und rasche versöhnliche Wiedergutmachung.

Klar ist: Jeder Patient hat das Anrecht auf die bestmögliche Behandlung. Und Anrecht auf Entschädigung bei nachweislichen Fehlern. Deshalb begrüße ich Einrichtungen wie die Patientenanwaltschaft. Ich bin – und das kann ich im Namen aller Ärzte sagen – froh, dass es sie gibt. Und jederzeit zur Zusammenarbeit bereit. Das haben wir Ärzte in der Vergangenheit auch bewiesen.

Worum es auf einer anderen Ebene geht, ist ein höheres Bewusstsein für Fehlerkultur. Das gilt für alle Seiten. Ich verweise auf ÖQ-Med und auf CIRS Medical, wo die Möglichkeit für Ärzte und für Mitarbeiter in medizinischen Berufen besteht, anonym beobachtete Fehler oder vermeintliche Missstände zu melden, damit andere daraus Erkenntnisse ziehen. Aus Fehlern lernen ist keine hohle Phrase.

Das ist das eine. Das andere ist das Gesetz, das Strafen vorsieht. Gesetze können einengen und Angst machen. Wer sich in jeder Entscheidung mehrfach vergewissern muss, welche rechtlichen Konsequenzen daraus resultieren könnten, wird vorsichtig, vielleicht überängstlich. Und schiebt Entscheidungen ab – auf andere. Viele Ärzte delegieren oder sehen sich gezwungen, einen Patienten weiterzureichen an einen Spezialisten. Das ist nicht immer zum Besten des Patienten. Hat aber mit Fehlerkultur zu tun. Und mit einer gesellschaftlichen Entwicklung, die immer stärker in Richtung Reglementierung geht. Das engt Handlungsspielräume und Verantwortungsbewusstsein ein. Auch darüber sollte kann diskutieren.

Im Endeffekt geht es ausschließlich um den Patienten. Und um Gesundheit. Um Bekämpfung von Krankheit. Und nicht um Prozesse oder Gerichtsverfahren, die sich über Jahre ziehen können. Wer Recht hat, muss nicht Recht tun.

Deshalb gibt es den Patientenanwalt, der aufmerksam machen soll. Patientenanliegen vertreten soll. Deshalb gibt es auch die Schlichtungsstelle der Ärztekammer. Schadensfälle sollen rasch, unbürokratisch und consensual geklärt werden. Und ausschließlich aus der Sicht der Patientengerechtigkeit.

Das zweite ist das, was ich Fehlerkultur nenne. Die Möglichkeit, aus Fehlern zu lernen, muss jedem gegeben werden. Das größte Hindernis zum Entstehen einer Fehlkultur ist Diskriminierung. Skandalisierung. Daran sind auch skandalisierende Medien nicht ganz unschuldig. Wer an den Pranger gestellt wird, und dies ausschließlich aus politischen Gründen, wird in seiner Persönlichkeit verletzt. Wer ständig Paragraphen im Kopf haben muss, wird nicht nur vorsichtig, sondern angstbesetzt. Das führt zu einer negativen Spirale der Entscheidungsdelegation. Hier sollen wir alle ansetzen. Nicht vorverurteilen, aber auch nicht laissez faire betreiben. Zu Fehlern stehen und dadurch anderen helfen, Fehler in Zukunft zu vermeiden.

Auch das sollte gemeinsames Anliegen der Patientenanwaltschaften und der Ärzte sein.

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