Dr. Thomas Szekeres

« August 2012»
S M D M D F S
      1 2 3 4
5 6 7 8 9 10 11
12 13 14 15 16 17 18
19 20 21 22 23 24 25
26 27 28 29 30 31  

Kategorien

Letzte Nachrichten

Verkehrte Welt?
12.12.2017 11:57
Die OECD ist nicht alles
24.11.2017 08:28
Mehr Kammer, neuer Staat?
19.11.2017 12:05
Wenn Statistiken Panik auslösen…
17.11.2017 07:43

Ärzte sind nicht Dienstleister

Und nicht Verschubmasse der Gesundheitsökonomen

Es geht ein Gespenst um in Europa, das sich Dienstleistungsoptimierung nennt. Oder Serviceoptimierung. Unter diesem Deckmantel sollen Mitarbeiter motiviert werden, das Beste zu geben, stets das Wohl des Unternehmens und des Kunden vor Augen zu haben. Die perfekte Dienstleistungsgesellschaft ist auch die perfekte Ausbeutungsgesellschaft.

Die Politik und die selbsternannte Gesundheitsökonomen haben das auch in der „Reorganisation“ der Gesundheitsversorgung vor. Ökonomisierung, Rationalisierung und Dienstleistungsoptimierung heißen die Schlagworte. Sprich: möglichst effiziente Auslastung von Betten, Operationssälen, Diagnosegeräten. Alles muss sich amortisieren, jede Leistung muss berechenbar sein. Vollkostenrechnung ist gefragt. Gesundheitspolitik per Matrix gewissermaßen.

Das klingt schön und gut und ist auf den ersten oberflächlichen Blick auch sinnhaft. Es stimmt nur leider nicht.

Ärzte sind keine Dienstleister am System. Ärzte haben die Verpflichtung, alles zu tun, um einem kranken oder behinderten Menschen zu helfen, ihn zu heilen. Ärzte haben die Letztentscheidung darüber, was im Krankheitsfall zu geschehen hat. Das geht weder mit dem Rechenstift noch mit dem Zeitmesser und schon gar nicht mit Verordnungen von Nichtmedizinern.

Ärzte haben nicht dem Gesundheitssystem zu dienen. Sondern dem Patienten und dessen Wohl. Dafür tragen sie auch die alleinige Verantwortung. Dafür haben sie freiwillig ein langes Studium und eine langjährige Ausbildung absolviert – bei vergleichsweise geringem Entgelt und extremen Zeitaufwand.

Wenn Politik nun von notwendigen Sparmaßnahmen spricht und Gesundheitsausgaben an ökonomische Parameter koppeln will – an das BIP, das für sich selbst umstritten ist, weil es die Leistungsfähigkeit einer Volkswirtschaft nicht wirklich widerspiegelt – negiert sie den wesentlichen Faktor überhaupt: die Träger des Gesundheitssystems. Das sind Ärzte und Pflegefachkräfte. Und die sind weder dem Budget der Krankenhäuser noch den Vorgaben der Sozialversicherung oder den Kalkulationsrichtlinien von Verwaltern verpflichtet, sondern ausschließlich dem Patienten und dem eigenen Gewissen.

Wenn Politik ein funktionierendes humanes und gerechtes Gesundheitssystem will, muss sie sich dazu bekennen. Und zugestehen, dass Gesundheit teuer ist. Und noch teurer werden wird. Wenn sie das nicht will, dann soll sie es deutlich sagen: Die Menschen sollen selbst schauen, wie sie gesund werden. Es ist ihr Privatvergnügen und ihre Privatangelegenheit.

Es gibt solche Systeme – in den USA und in anderen Ländern. Absurderweise sind dort die Ausgaben für Gesundheit um ein Vielfaches höher als etwa bei uns. Ob das gerecht und schon gar leistungsgerecht ist, sollte man hinterfragen.

Es ist keine Sturheit, wenn Ärzte sich weigern, in Dienstleistungsschemata gezwängt zu werden. Es ist ausschließlich Beharren auf dem Primat des Menschlichen und der Sorge um die Gesundheit des Patienten.

Es ist ein Fehler, Gesundheitspolitik an den Ärzten vorbei gestalten zu wollen. Damit ruiniert man ein System, das mit allen Schwächen, Überdehnungen und durchaus vorhandenen Optimierungspotentialen immer noch gut funktioniert.

Es geht um eine einzige Frage: Entweder man steht zu einem staatlich finanzierten, barrierefreien und sozial gerechten Gesundheitssystem, oder nicht. Wenn ja, muss man auch zu den Konsequenzen stehen. Koste es, was es kostet.

Mein Kommentar

Benachrichtige mich, wenn jemand einen Kommentar zu dieser Nachricht schreibt.

Zurück