Dr. Thomas Szekeres

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Freiheit wovon? Und Freiheit wozu?

Anmerkungen zu ELGA und warum wir nein sagen.

Freiheit ist Basis jeglicher Demokratie. Wahlfreizeit ist Grundrecht des Menschen. Die Freiheit des Individuums, sich für oder gegen etwas zu entscheiden, sollte unantastbar sein.

Das ist die Überzeugung auch der Ärzteschaft und politischer Beweggrund für das Nein zu ELGA. ELGA schränkt die Freiheit des Individuums ein. Sie lädt ihn nicht ein, ja oder nein zu sagen. Sie fragt nicht. Und gesteht post festum zu, auszusteigen. Das ist verlogen.

Wer für Freiheit ist, muss uneingeschränkt dafür sein. Deshalb gilt bei ELGA wie bei allen anderen Datenerfassungs- und Kontrollsystemen. Es obliegt der freien Entscheidung des Individuums, und damit den Patienten, vorher ja oder nein zu sagen. Teilzunehmen oder sich der Teilnahme zu verweigern. Ohne einen Grund anzugeben. Das ist demokratische Freiheit.

Solange bei ELGA dieses Denken sich nicht durchsetzt, können die Ärzte aus ihrer Verantwortung gegenüber dem Patienten und ihrer Verpflichtung zur Verschwiegenheit nicht ja zu ELGA sagen.

ELGA wirft aber noch andere Probleme auf. Und die sind bezeichnend für ein politisches Handeln, dass den Faktor Zeit in der Prozessentwicklung missachtet, sondern dekretiert. Und so tut, als gäbe es die Dynamik in der Informationstechnologie nicht. Dabei verändert sich kaum ein Segment so rasch. Apple hat mit dem i-Phone gezeigt, dass binnen weniger Jahre die Kommunikations- und Interaktionsgewohnheiten von Menschen radikal sich ändern können. Mit dem i-Phone ist das mobile Web zur Selbstverständlichkeit geworden. Morgen kann es anders sein. Neue Entwicklungen kommen.

ELGA hingegen basiert auf einer Systemarchitektur, die heute schon als veraltet bezeichnet werden kann. Wenn ELGA umgesetzt ist, ist es wahrscheinlich Anachronismus.

Fehleranfällig ist es nachgewiesenermaßen heute schon. Und das in einem Bereich, der die intimsten Sphären des Menschen betrifft. Wenn Politik also sagt, Gesundheit sei das höchste Gut des Menschen und der Gesellschaft, solle sie diesem Bekenntnis auch Taten folgen lassen. Und das höchste Gut schützen. Und nicht antizipierend kontrollieren und systematisieren. Das ist postdemokratisch.

Zur Klarstellung: Wir Ärzte und auch ich persönlich sind keine Maschinenstürmer. Wir verweigern uns der Informationstechnologie nicht, sondern entwickeln sie weiter. Viele IT-Revolutionen werden durch Mediziner ausgelöst. Als Labormediziner weiß ich, dass digitale Datenerfassung unerlässlich ist, dass bildgebende Verfahren einen Quantensprung in der Qualität und Sicherheit von Diagnosen staccatoartig gebracht haben, dass Dokumentation unerlässlich ist, ebenso wie der Zugang zu Datenbanken.

Informationstechnologie jedoch bedingt harmonisierte Systeme, harmonisierte Standards und vor allem laufende Prozessoptimierung. ELGA scheint dies zu ignorieren.

Ein viertes. Alle reden davon, dass ELGA nicht nur sicher ist, sondern auch Kosten reduziert. Das dürfte ein Trugschluss sein. Die Praktikabilität von ELGA ist nicht erwiesen. Es gibt auch keine aussagekräftigen Pilotversuche und Evaluierungen. Wenn man vergleicht, welche Fehler beim Musterprojekt E-Medikation passierten, kann man auf ELGA hochrechnen. Gute Nacht.

Die Ärztekammer wird deshalb ihre Aufklärungsstrategie konsequent fortsetzen. Die Informationskampagne an die Patienten ist österreichweit angelaufen. Mündige Menschen sollen mit entscheiden, was sie wollen. Das nennen wir demokratisch.

Daher:Ja zu allem, was der Gesundheit und der Verbesserung des Gesundheitssystems dient, ja zu möglichst umfassende Dokumentationen. Aber Nein zur zwanghaften Beglückung der Patienten. Und vor allem: Nein zu einem Überwachungssystem, das vorgibt, Schutz zu sein.

Es gilt das Prinzip der Freiheit und Freiwilligkeit.

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