Dr. Thomas Szekeres

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Dick ist arm, ist bildungsfern

Adipositas ist eine Frage der sozialen Disparitäten

Idefix ist jener liebeswürdige schlaue Hund, der sich vom dicken Obelix gern tragen lässt, weil er nicht laufen will. Obelix ist dick – eigentlich „vollschlank und gut gebaut“ – Idefix schlank, obwohl er nicht der Bewegungsfreudigste ist.

IDEFICS nennt sich auch eine groß angelegte europaweite Studie, die untersucht, warum Kinder ab 2 Jahren verstärkt zu Adipositas und Übergewicht neigen. Die wesentlichen Ursachen: zu wenig Bewegung, zu vieles Sitzen vor dem Fernseher und dem Computer, zu fettes Essen, insbesondere Snacks und ähnliches.

Das ist richtig. Man sollte aber einen Schritt weiter gehen und fragen.

Deutlich zeigt sich, dass Übergewicht und soziale Situation in engem Zusammenhang stehen. Menschen mit niedrigem Einkommen sind dicker, ernähren sich schlechter und wenig gesundheitsbewusst als Menschen mit hohem Einkommen und hoher Bildung. Je bildungsferner, umso dicker. Je bildungsferner, umso höher der TV-Konsum. Und damit die Bereitschaft, scheinbar gedankenlos Fast Food in sich hinein zu stopfen. Langeweile und Leere müssen kompensiert werden. Auch das ist ein soziales und bildungspolitisches Phänomen.

Wer nicht gut schreiben und lesen kann, hat nur das Unterhaltungsfernsehen als Trost. Zyniker bezeichnen die privaten deutschen Unterhaltungsprogramme schon seit Jahren als „Hartz IV TV“. Weil Arbeitslose und Nichterwerbstätige signifikant intensiv fernsehen.

Medizinische Diagnosen und Therapievorschläge allein reichen nicht aus, um kindliches Adipositas und Übergewicht bei jungen Menschen zu bekämpfen. Wir müssen begreifen, dass Gesundheitspolitik vornehmlich Sozialpolitik und Bildungspolitik ist.

Und eine Frage der Verteilungsgerechtigkeit in einer Gesellschaft. Die dicken Kinder und Jugendlichen von heute sind häufig diejenigen, die morgen und übermorgen aus dem Erwerbsleben ausgeschlossen sind: weil sie chronisch krank, gering gebildet und perspektivenlos sind.

Wir müssen alle diese Aspekte bedenken. Und in die Prävention mit einbeziehen: Gesundheitserziehung in der Schule, Investitionen in Bildung und Ausbildung, um der Armutsfalle zu entkommen, Solidarität in der Wissensgesellschaft leben.

Wir Ärzte können das nicht laut genug sagen. Schließlich ist es in unserem „vornehmen“ Interesse, Gesundheit zu erhalten und nicht nur Krankheit zu heilen.

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